Bedruckte Ordner, Ringbücher und Präsentationsordner

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Die Anfänge des Ordners und Entwicklungen in der Papierindustrie: Friedrich Soennecken

Sowohl der Locher, als auch der Ordner wurden in der ehemaligen Hauptstadt Bonn um 1886 von Friedrich Soennecken erfunden. Dieser war ein deutscher Kaufmann, Unternehmer und Grafiker und gründete die gleichnamige Herstellerfirma für Bürobedarf.

Die Entwicklung des Unternehmens wurde maßgeblich von Soenneckens Neuerungen rund um Schrift und Schreiben beeinflusst. Zunächst wurden nur Schreibfedern hergestellt, um diese nicht mehr aus Großbritannien importieren zu müssen, die den damaligen Großteil der Produktion übernahmen. Weil zu dieser Zeit hauptsächlich mit Schwellzugfedern in Schwellschrift geschrieben wurde und diese schwierig zu erlernen war, erfand Soennecken ein eigenes System, die Rundschrift, nicht zuletzt auch, um Absatz für seine Produktion zu schaffen.

Zudem brachte der Unternehmer am 14. November 1886 den sogenannten Briefordner auf den Markt, den ersten Ordner überhaupt. Danach folgten Locher, Ringbücher, Sammelmappen und Umlegekalender. Für seine Leistungen wurde Friedrich Soennecken auf der Weltausstellung in Brüssel 1910 sogar ausgezeichnet. Auch die posthume Ehrendoktorwürde der Universität Bonn wurde ihm verliehen, denn er verfasste auch zahlreiche akademische Schriften und hielt Vorträge über die Notwendigkeit einer Schriftreform und deren Didaktik.

 

Die weiteren Entwicklungen der Schreibwarenindustrie unter Louis Leitz

Eigentlich war Louis Leitz gelernter Drechsler, arbeitete aber zu Beginn der Deutschen Industrialisierung als Mechaniker und wurde später selbstständiger Hersteller von Büroartikeln und Schreibbedarf. In diesem Zuge erfand er parallel zu den Exemplaren von Friedrich Soennecken einen Hebelordner, der zunächst noch recht primitiv war, jedoch über eine Mechanik verfügte, die heute noch in jedem Ordner zu finden ist. Diesen stellte er ab 1871 in seiner Fabrik her und entwickelte ihn ständig weiter. Im Jahr 1896 kamen Exzenterverschluss und Raumsparschlitze hinzu, 1911 folgte das Griffloch.

Das Firmengebäude im Stuttgarter Stadtteil Feuerbach ist übrigens bis heute zu besichtigen. Zudem besteht das Unternehmen noch, jedoch als Unterkonzern einer schwedischen Firma.

Ordnervariationen in der heutigen Zeit

In Deutschland bzw. den meisten europäischen Ländern, die das Papiersystem im hauptsächlichen DIN A4 Format nutzen, werden Zwei- oder Vierlochringsysteme in Ordnern verwendet. Diese sind jedoch nicht immer kompatibel, beispielsweise existieren in Skandinavien andere Systeme mit diversen Lochabständen.

Die Deckel der Ordner, die dem Schutz der Akten und Schriften dienen, müssen eine besonders robuste Funktion haben und sind daher entweder aus starker Pappe oder sogar Kunststoff gefertigt. In der Regel wird auch Wellpappe verwendet, um Knicke im Deckel durch beispielsweise Transportschäden zu vermeiden. Zur Dekoration und auch zur Unterscheidung können die Ordner individuell bedruckt sein, außerdem sind verschiedene Varianten mit Taschen für bestimmte Funktionen auf dem Markt, wie beispielsweise für CDs oder Visitenkarten. Hinsichtlich der Größe wird eine standardisierte Vielfalt angeboten, wobei die meisten für das Format nach DIN A4 ausgelegt sind.

Unterschiede zu Mappen und Ringbüchern

Mappen sind ebenfalls Artikel zur Aktenaufbewahrung, die im Gegensatz zu Ordnern jedoch nicht für gelochte Papiere, sondern für lose Blattsammlungen bestimmt sind. Jene bestehen aus einem Bogen Papier, Kunststoff oder ähnlichem und sind so gefaltet, dass sich jeweils zwei Ecken berühren, zwischen denen dünne Dokumente aufbewahrt werden können.

Ringbücher hingegen haben die Funktion der Bindung von gelochten Seiten und verfügen über eine bestimmte Mechanik, bei der mehrere Metallringe sich gleichzeitig öffnen und schließen lassen. Diese sind in verschiedenen Formen erhältlich. Cellophanierte Ringbücher bestehen aus Graupappe, Papierbögen und Folie und nutzen die Mechanik der Ringbuchdecke. Zudem gibt es auch Ringbücher aus PVC-Weichfolie, bei denen Vorderdeckel, Rücken und Rückendeckel miteinander verschweißt sind. Durch das verwendete Material können diese sowohl im Siebdruck-, Offset- und Prägedruckverfahren individuell gestaltet werden. Auch Ringbücher aus Vollkunststoff werden produziert: Bei diesen werden die Plattenmaterialien zweimal gerillt und die Ordnermechanik anschließend eingenietet.

Zur besseren Übersichtlichkeit sind Ordner, Mappen und Ringbücher häufig mit Trennstreifen, Registerblättern oder auch –karten versehen, die individuell beschriftet werden können. Handelsüblich sind hierfür beispielsweise Klebezettel. Zur Gruppierung und Dokumentation innerhalb der Ordner kommen Trennstreifen aus Kunststoff oder Papier und Pappe zum Einsatz.